Servicestelle Kinder-Jugendbeteiligung Baden-Württemberg

Achtung stachelig ;-)

Wovon sprechen wir, wenn wir uns über Kinder- und Jugendbeteiligung austauschen? Diese Frage immer wieder zu stellen und zu diskutieren ist sehr wichtig, um Kinder- und Jugendbeteiligung in den eigenen Programmen, Strukturen, Prozessen oder vor Ort zu definieren und umzusetzen.

Denn es existiert nicht DIE Kinder- und Jugendbeteiligung und unterschiedliche Haltungen und Vorstellungen werden spätestens in Beteiligungsprozessen deutlich und können zu Missverständissen und Frustration führen.

Unser Verständnis von Kinder- und Jugendbeteiligung

Die SKJB vertritt ein breites Verständnis von Beteiligung:

Beteiligung = Partizipation + freiwilliges Engagement

Als Partizipation kann die Möglichkeit gefasst werden, sich als gleichberechtigtes Subjekt an öffentlichen Diskussionen und Entscheidungen zu beteiligen und dabei eigene Interessen wirksam einzubringen. Partizipation kann als ein für alle Lebensbereiche relevantes Gestaltungsprinzip verstanden werden. Dies schließt die genuin politische Partizipation im Sinne einer Beteiligung an Willensbildungsprozessen, Verfahren und Entscheidungen der verfassten Politik ebenso ein, wie lebensweltliche Partizipation, d.h. die Beteiligung an Entscheidungen in den lebensweltlichen Erfahrungszusammenhängen, nicht zuletzt in den Schulen sowie in den Institutionen der außerschulischen Pädagogik und Sozialarbeit.

Es kann zwischen institutioneller und außerinstitutioneller Partizipation unterschieden werden.

Unter freiwilligem Engagement wird eine ehrenamtliche und verantwortungsvolle Übernahme von Tätigkeiten in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen verstanden, die über eine bloße eigne Teilnahme an gemeinschaftlichen Aktivitäten hinausgeht. Engagement erfolgt nicht notwendigerweise innerhalb von demokratisch verfassten Strukturen, die eine Einwirkung auf die Willensbildung und Entscheidungen vorsehen. Bei der Bestimmung von Partizipation und freiwilligem Engagement ist eine normative Grundlage notwendig, die der Beteiligung eine Zielsetzung zu Grunde legt, welche sich an demokratischen Grundwerten und Menschenrechten orientiert. Daher sind bestimmte Formen der Partizipation, wie rechtsradikales Engagement, als durchaus problematisch anzusehen (Scherr et al. 2015: 7).

Im Bereich des Engagements wird zwischen „gemeinschaftlich Aktiven“ und „freiwillig Engagierten“ unterschieden. Außerdem kann zwischen konventionellem und unkonventionellem sowie zwischen kontinuierlichem und punktuellem Engagement unterschieden werden. Freiwilliges Engagement ist nicht mit demokratischer Partizipation gleichzusetzen. Denn freiwilliges Engagement kann sowohl in einem Spektrum verortet sein, das von klassisch autoritär bis zu basisdemokratischen Strukturen reicht. Deshalb ist auch hier eine Betrachtung der Mitbestimmungsmöglichkeiten, bzw. Fremd- oder Selbstorganisation als Kriterium bedeutsam.

Beteiligungspyramide

Es existieren unterschiedlichste Formate für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen (z.B. Schüler*innenhaushalt, Jugendgemeinderat etc.). Das Stufenmodell hilft unterschiedliche Formate hinsichtlich ihrer Qualität der Beteiligung zu unterscheiden.

Der grundsätzliche Gedanke: Es existieren mehr Formate mit geringerem “Beteiligungslevel”. Teilweise ist es schwer ein Format eindeutig einer Stufe zuzuordnen, aber das ist auch nicht Ziel des Modells. Vielmehr dient es als Tool bereits bestehende Formate einzuordnen oder bei der Konzeption neuer Formate das Ziel der Beteiligung klarer vor Augen zu haben.

Man findet unterschiedliche Ausformulierungen dieses Modells, manche detaillierter als andere, aber in ihrem Grundgedanken stimmen sie überein.

„Die hier wie in vergleichbaren Stufenmodellen vorgenommene Hierarchisierung verschiedener Beteiligungsformen suggeriert jedoch eine auch kritisch zu hinterfragende Ungleichwertigkeit; dies gilt im Hinblick auf  zwei Aspekte:

Erstens kann Selbstorganisation nicht als die Idealform betrachtet werden, da Selbstorganisation hoch voraussetzungsvoll ist und nur bei einer begrenzten Zahl der Mitwirkenden auf Formen der Repräsentation verzichtet werden kann.

Zweitens sind im Fall von Kinder- und Jugendpartizipation auch pädagogische und entwicklungspsychologische Aspekte zu berücksichtigen: Kinder und Jugendliche können nicht problemlos als umfassend mündig und eigenverantwortlich betrachtet werden. Insofern sind Abwägungen dazu, welches Maß an Mitbestimmung jeweils angemessen ist, nicht verzichtbar.“ (Scherr 2015: 7 f.).

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Recht auf Beteiligung!

Wann wird Beteiligung bereichernd?

Wie gelingt Partizipation in der Praxis? Was sind Stolpersteine? Wer diese Qualitätstandards des BFSKJ beachtet ist auf einem guten Weg, dass Partizipationsprozesse motivieren und nicht frustrieren. Manege frei:

  • Partizipation braucht eine partizipative Haltung. Es entsteht eine Partizipationskultur
  • Die Ziele und Entscheidungen sind transparent und werden kommuniziert – von Anfang an
  • Es herrscht Klarheit über Entscheidungsspielräum
  • Die Informationen sind verständlich und die Kommunikation ist gleichberechtigt
  • Kinder und Jugendliche wählen für sie relevante Themen aus
  • Die Methoden sind attraktiv und zielgruppenorientiert
  • Partizipation gibt es nicht umsonst, das heißt es werden ausreichend Ressourcen zur Verfügung gestellt
  • Die Ergebnisse werden umgesetzt und zwar zeitnah
  • Partizipation braucht starke Netzwerke
  • Die Beteiligten werden für Partizipation qualifiziert
  • Partizipationsprozesse werden so getaltet, dass sie persönlichen Zugewinn ermöglichen
  • Das Engagement wird durch Anerkennung gestärkt
  • Beteiligung ist für alle Kinder und Jugendlichen möglich

Qualitätsstandards für Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Allgemeine Qualitätsstandards und Empfehlungen für die Praxisfelder Kindertageseinrichtungen, Schule, Kommune, Kinder- und Jugendarbeit und Erzieherische Hilfen

 

And do not forget Kids:

It´s YOUR Party-cipation!

So enjoy.

 

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